Kreuzfahrt-Boom ungebrochen
Die Schiffe werden immer größer, der Luxus an Bord immer glamouröser – die Kreuzfahrt-Branche steuert immer neuen Rekordzahlen entgegen.
Experten rechnen damit, dass schon bald werden jährlich zwei Millionen und mehr Deutsche eine Kreuzfahrt buchen, um auf See ihren Urlaub zu verbringen. Als Vergleichswert: Im Jahr 2010 buchten in ganz Europa gerade 3,47 Millionen Menschen eine Kreuzfahrt, die sie auf rund 200 Kreuzfahrtschiffen verbrachten.
Bis 2015 werden die Deutschen wohl die Britten als „Kreuzfahrer-Nation“ Nummer eins abgelöst haben. Zudem werde Europa der Markt Nummer eins für Seereisen werden und damit noch den Branchen-Primus USA ablösen.
Branche rechnet mit bis zur zwei Millionen Gästen jährlich
Diese positiven Prognosen leiten die Experten aus den zahlen der vergangenen Jahre ab. Kein anderes Reisesegment wächst in Deutschland so schnell wie der Markt der Kreuzfahrten. Dies ist ein Ergebnis des „2011/12 Reports“ der zuständigen Reiseverbandes ECC (European Cruise Council).
So buchten laut ECC die Bundesbürger im Jahr 2010 14 Prozent mehr Kreuzfahrttage als noch 2009. Für 2011 soll diese Zahl noch einmal deutlich in die Höhe gegangen sein. 2010 verbrachten die Bundesbürger bereits 11,3 Millionen Nächte an Bord der schwimmenden Paläste. Am liebsten waren ihnen dabei Fahrten über die Ostsee. Die durchschnittliche Kreuzfahrt-Dauer betrug demnach 9,3 Tage. Das summiert sich auf 27,69 Millionen Übernachtungen allein in Europa. 2011 sollen es 22 Prozent mehr werden. Die Branche ist optimistischer denn je.
Die Kreuzfahrt-Unternehmen haben bereits diesen Trend erkannt und noch größere Luxus-Liner in Auftrag gegeben. Aida baut bis 2016 vier neue Schiffe für insgesamt mehr als 10.000 Passagiere, TUI Cruises tauft 2014 ein neues 2500-Passagiere-Schiff und hat ein weiteres in Planung. Auch Hapag-Lloyd Kreuzfahrten erweitert seine Flotte 2013 mit einem Neubau, der “Europa 2″.
Für jene, die Kreuzfahrten bislang für zu teuer empfanden, beinhaltet der ECC-Report eine gute Nachricht: Die Preise sinken kontinuierlich und deutlich. Kostete eine durchschnittliche Kreuzfahrt-Nacht 2009 noch 194 Euro, waren es 2010 nur mehr 182 Euro - über sechs Prozent weniger. Auch wenn es dazu noch keine offiziellen Zahlen gibt, hat sich dieser Trend 2011 wohl fortgesetzt. Selten gab es so viele Schnäppchen für Mittelmeer-Kreuzfahrten wie in diesem Jahr, mitunter sogar in der Hauptsaison. Sieben Tage im Mittelmeer in einer Balkonkabine waren da schon mal für unter 500 Euro zu haben.
Und auch eines der großen Vorurteile wird immer deutlicher als solches entlarvt: Kreuzfahrtschiffe sind längst nicht mehr überwiegend von Rentnern bevölkert. Bei erfahrenen Kreuzfahrern gilt die Weisheit: Je länger eine Kreuzfahrt, desto älter das Publikum. Doch der Trend geht zu kürzeren Kreuzfahrten wie Sieben-Nächte-Routen. Auch Kurzkreuzfahrten von nur drei oder vier Tagen sind im Kommen.
Die deutschen Ostseehäfen liegen bei den Passagierzahlen zwar zwar noch noch deutlich hinter der Konkurrenz aus Intalien und Spanien, doch sie holen mit gewaltigen Schritten auf. Die großen drei, Warnemünde, Kiel und Hamburg, verzeichneten den Hochrechnungen zufolge für 2011 über 400 Kreuzfahrtschiff-Anläufe. Auch wenn in Hamburg Publikumslieblinge wie Luxusliner “Queen Mary 2″ zu seinen Stammgästen zählen, liegt Hamburg bei den Anläufen und Passagierzahlen hinter Kiel auf Platz drei.
Die Nummer eins ist Rostock-Warnemünde: 2010 verzeichnete der Hafen 350.000 Passagierbewegungen, 2011 will man auf eine halbe Million gekommen sein. Die übrigen deutschen Kreuzfahrthäfen, Bremerhaven, Lübeck-Travemünde und Cuxhaven kamen 2010 zusammen auf 66 Anläufe.
Besonders Hamburg rechnet 2012 mit deutlichen Steigerungen. Internationale Reedereien wie Costa und MSC haben die Hansestadt als neuen Basishafen für einige ihrer Schiffe gewählt. Eines der Highlights: Die “MSC Lirica” läuft 2012 von Hamburg aus mehrfach Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland an, die bislang per Kreuzfahrtschiff nur sehr selten erreichbar war.
Für die angelaufenen Häfen bedeuten gute Plätze in der Rangliste deutlich mehr als nur das gute Gefühl, in einer Top-Ten-Liste geführt zu werden. Die Statistiken des ECC belegen, welche enorme Bedeutung die Schiffsurlauber für die lokale Wirtschaft haben kann.







